VDSL

Jahrelang zahlte ich für eine ADSL-Geschwindigkeit von 5'000 kbps - und erhielt nur 2'200 kbps. Das geht doch nicht! Man stelle sich das im Coop vor, man zahlt ein kg Mehl und bekommt kaum ein Pfund! Abhilfe muss her!

Es war noch schlimmer, 2'200 kbps waren gemessen, eigentlich waren nur1500 kbps möglich.

Als an einem Wochenende das Internet wieder vor sich hin schneckelte, beschloss ich, dass das so nicht weiter gehen kann! Von meinem Schwager ennet der Strasse wusste ich: Hier bei uns gibt es VDSL in voller Qualität, während das ADSL wegen "Wasser in den Leitungen" grosse Probleme mache.

Das VDSL wird mit einer Glasfaser in die Nähe geführt und nur die letzten Meter werden mit Kupfer überbrückt.

Ein Anruf bei meinem Provider ergab, dass VDSL verfügbar sei. Ich zögerte wegen meiner FritzBox, die ist ISDN-tauglich und kann VoIP, das wir nutzen. Der Verkäufer wies mich auf die neuste FritzBox Fon WLAN 7390 hin, ein wahres Wunderkästchen.

Tatsächlich, das Studium ergab, die kann einfach alles, eine eierlegende Wollmilchsau. Zudem energiesparend und um nie gesehene Funktionen erweiterbar. Damit konnte meine Zurückhaltung überwunden werden. Ich bestellte VDSL mit Fritzbox. Die letztere bestellte ich beim Händler, er würde sonst keinen Support bieten können. Ein überzeugendes Argument, das trotz meinen 15.-- Händlerrabatt wirkte.

So kam irgendwann die Fritzbox von einer Firma geliefert, von der ich noch nie was gehört habe. Wohl im Auftrag des Providers. Ich nutzte die Gelegenheit, die Fritzbox bereits auf ADSL zu verdrahten und einzurichten.

Ich unterbreche mein bisheriges Internet und stecke die FritzBox an. Ein Assistent kommt und seine erste Frage: ANNEX A oder ANNEX B?

Tja. Was kann das sein? Ich erinnere mich, dass ISDN so was hat. Aha, Hilfe-Funktion. Die Länder Europas werden aufgezählt und nur Deutschland hat ANNEX B. Also, wir Schweizer stellen ANNEX A ein.

ADSL funktioniert nicht....... Liegt es an den darauf folgenden Eingaben? Nichts hilft. FritzBox 7390 weg, alle Kabel zurück, die alte FritzBox rein. Hilferuf an Provider. Der vermutet sofort: "Ja haben Sie ANNEX B eingestellt?" "Nein, wir sind in der Schweiz". Nun stellt es sich heraus, dass ANNEX A/B nichts mit den Angaben in der Hilfe zu tun hat, sondern dass hier die Modulation gemeint ist, bei Analoganschluss wäre es ANNEX A, bei ISDN (in meinem Fall) ANNEX B.

Noch mal versucht - und nun klappt es. Die Box wird schön eingerichtet und ich warte auf VDSL.

Am Dienstag war der grosse Tag: Die Swisscom wird das VDSL aufschalten. Tatsächlich, am frühen Morgen flog ADSL raus, aber nichts mehr geschah.

Geduld!

Geduld!

Hm, kamm was schief gegangen sein? Ein erster Anruf beim Provider. Nein. alles in Ordnung, das gehe manchmal länger bei der Swisscom.

15:30 - ein erster wichtiger Termin verpatzt. Anruf beim Provider. Man sehe, das Signal sei geschaltet. Das müsste gehen.

Ich versuche nochmal, die Fritzbox zur Verbindungsaufnahme mit VDSL zu bewegen. Sie hat eine schöne grafische Anzeige:

FritzBox: Testing: VDSL2 ANNEX B, Zentrale: IKANOS

Das wiederholt sie im Minutentakt, tagelang.

Gegen 17:00 meldet sich der Verkäufer: Ob ich einen VDSL-Splitter eingebaut habe? Ja woher denn? Ich habe drei ADSL-Splitter, keine anderer war dabei und im Internet steht überall, dass man den ADSL-Splitter mit VDSL verwenden kann.

Also, man werde mir einen per Express zukommen lassen.

Am folgenden Mittag ist nichts gekommen. Ich bin immer noch verbindungslos. Mein lokaler Elektriker hat vielleicht einen. Und tatsächlich, eine halbe Stunde nach dem Anruf bringt er mir einen VDSL-Splitter vorbei. Sofort heim gefahren, andere Kabel organisiert (Ja, die Splitter haben nicht mehr dieselben Stecker, aber wir haben ja Reservekabel...) und wieder probiert.

FritzBox: Testing: VDSL2 ANNEX B, Zentrale: IKANOS

Keine Verbindung. Nun muss die Hotline ran. Er rät mir dies und dann das, ich befolge alle Anweisungen brav. Nichts hilft.

Ich rufe die Swisscom an. Keine Auskunft, wenden Sie sich an den Provider. Aber es sei doch die Swisscom, welche den Anschluss macht. Trotzdem, nur der Provider dürfe was fragen. Und dazu brauche es ein Trouble Ticket. Immerhin kann ich der Dame glaubhaft entlocken, dass der Anschluss wirklich geschaltet wurde und aus einer Distanz von 368 m zu mir kommt.

Wieder zum Provider, er solle bitte ein Trouble Ticket lösen. Das gehe nicht direkt, zuerst müsse ich ein Formular wegen möglicher Kostenübernahme unterschreiben. Ob er mir das faxen oder mailen könne. Ha! Fax habe ich nicht und Internet ist dauerhaft gestört!

Ich weiss, dass VDSL an die Gebäudeverkabelung hohe Ansprüche stellen soll. Es gäbe da noch eine mögliche Fehlerquelle, die Hausverkabelung. Also müsste die Box an den Eingang, wo die Swisscom ihren Anschluss auf die Hausverkabelung verbindet. Nur, diese Box kann kein normaler Mensch öffnen, weil genau gegen das Schrauben verwendet wurden, zu denen garantiert kein handelsüblicher Schlüssel passt. Nun, ich öffne sie doch!

FritzBox angeschlossen (ja, solche Klemmen muss man erst finden!) Computer zur Bedienung in Keller gezügelt. Was geschieht?

FritzBox: Testing: VDSL2 ANNEX B, Zentrale: IKANOS

Hotline. Weiss keinen Rat mehr. Einzig: Ich solle Factory Reset machen und nochmal probieren. Also meine ganzen Vorarbeiten (zwei oder drei Stunden Einrichtung?) vernichten. Ich zögere. Aber es muss sein.

FritzBox: Testing: VDSL2 ANNEX B, Zentrale: IKANOS

Der dritte Tag ohne Internet ist angebrochen. Via Geschäftsanschluss habe ich das Mail mit dem Trouble Ticket bekommen. Tatsächlich wollen sie mir 200.--/h für die Swisscom anhängen, sollte der Fehler bei mir liegen!

Ich komme zum Schluss, dass das Problem definitiv in der FritzBox liegen muss. Eigentlich unwahrscheinlich, aber die Swisscom ist nun doch nicht so unzuverlässig, dass sie an eine einzige Stelle ein falsches VDSL-Signal sendet. Und den IKANOS sieht die Fritzbox ja.

Also bestelle ich auf eigenes Risiko ein Zyxel P870M-I-Modem per Express. Das kommt nicht teurer als ein einstündiger Swisscom-Mitarbeiter....

16:00 trifft der Postexpress ein. 16:15 ist es angeschlossen und VDSL läuft!!

Unglaublich. Ich benachrichtige den Provider. Er verspricht Massnahmen zu treffen wegen der offensichtlich nicht funktionierenden FritzBox.

Ich verpacke das Ding und mache einen professionellen Fehlerbeschrieb dazu. Weiter geschieht nichts.

Am Samstag kommt mir die Idee, den Fehlerbeschrieb in die Support-Box von AVM, dem Hesteller der FritzBox, einzufügen. Tatsächlich arbeitet da einer am Samstag. Er antwortet:

Die FRITZ!Box Fon WLAN 7390 unterstützt grundsätzlich VDSL-Verbindungen mit
100 MBit/s. Momentan wird das speziell von Ihrem Internetanbieter
eingesetzte 100 MBit/s VDSL-Verbindungsprofil allerdings nicht unterstützt.

Was?! Grundsätzlich würde sie funktionieren. Aber leider mit dem unbedeutenden, in Deutschland wohl unbekannten Anbieter, Swisscom, leider nicht?

Meine Antwort fällt geharnischt aus. Funkstille. Erst am Montag Abend wagt es wieder ein Supporter:

Für Ihren Anschluss (VDSL-Anschluss mit Annex B in der Schweiz) haben wir
eine spezielle Beta-Firmware zur Verfügung gestellt, mit der eine
einwandfreie VDSL-Synchronisation möglich sein sollte.

Also doch. FritzBox funktioniert in der Schweiz nicht. Wehe man lädt Beta-Software! Die kann funktionieren, in jedem Fall ist der Garantieanspruch dahin. Und wie sollen künftige Updates funktionieren?

Stand des Falles:

  • VDSL läuft mit Zyxel
  • VoIP geht nicht mehr
  • Habe eine FritzBox, die per Definition in der Schweiz nicht funktioniert, aber über alle Kanäle vertrieben wird.
  • Vom Provider höre ich nichts mehr
  • Der Lieferant der nicht funktionierenden FritzBox wird demnächst mahnen
  • Der Aufwand bisher geht ins Unermessliche. Mit Swisscom-Stundensätzen sind mindestens 5'000 CHF zusammengekommen!

 Ein kleiner Trost: Die neue Geschwindigkeit aut wirklich auf der versprochenen Höhe, zumindest beim Download!